Strategien im Umgang mit Ängsten und Sorgen

Strategien gegen die Angst

Corona ist noch nicht vorbei. Der inzwischen in den Hintergrund getretene Klimawandel wird uns auch weiterhin mit Extremwetterereignissen in Atem halten. Und jetzt auch noch der Krieg mit seinen entsetzlichen Begleiterscheinungen. Millionen Menschen auf die Flucht vor dieser barbarischen Aggression, hohe Inflation, Energieabhängigkeitskrise und nicht zuletzt die Gefahr einer weiteren Eskalation und Ausweitung des Krieges bis hin zur atomaren Bedrohung.

Viele Menschen verspüren Angst ob dieser globalen Lage. Manche werden von ihr so überwältigt, dass sie ihr ganzes Leben beeinträchtigt. Anderen gelingt es einigermaßen, sie zu unterdrücken und möglichst nicht an sich heranzulassen. Wird schon nicht so schlimm werden. Aber im Unterbewusstsein brodelt es dennoch. Kaum jemanden lässt es kalt, was derzeit in der Welt passiert. Und bei einigen kommen individuelle Sorgen und Ängste noch dazu, etwa vor Krankheit, Unfällen, Arbeitslosigkeit, Vermögensverlust oder dem Verlust nahestehender Menschen.

Wie sollen wir mit den Unwägbarkeiten des Lebens umgehen? Vor allem dann, wenn wir kaum einen Einfluss darauf haben.

Über unsere Ängste reden

Oft hilft es, sich mit anderen Menschen in einem achtsamen Ambiente auszutauschen. Im Osterretreat habe ich den Segen von Sangha (Gemeinschaft um einen spirituellen Meister / eine spirituelle Meisterin) in diesem Zusammenhang als ungemein wohltuend und hilfreich erlebt.

Ins Handeln kommen

Meistens ist es leichter, Ängste in den Griff zu bekommen, wenn man irgendetwas tun kann. Das Engagement in der Hilfe für die Flüchtlinge kann hier eine gute Möglichkeit sein. Allerdings ist es wichtig, darauf zu achten, wo die eigenen Grenzen liegen und sich zu überlegen, was man tatsächlich leisten kann, auch langfristig. Allzu leicht kippt die Hilfsbereitschaft sonst bald in Ärger und Frustration, wenn sich herausstellt, dass die Menschen, die zu uns kommen, nach der Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse auch noch andere Wünsche und Bedürfnisse haben. Genauso wie wir auch. Schließlich haben sie bis vor wenigen Wochen noch genauso gelebt wie wir.

Gebet – heilsame gedankliche Schwingungen

Eine weitere, meiner Meinung ganz wichtige Möglichkeit im Umgang mit Ängsten ist die geistige, innere Ausrichtung. Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine gibt es zahlreiche große Initiativen zu gemeinsamen Friedensgebeten, an denen Tausende Menschen teilnehmen. Ich bin mir sicher – und es gibt auch schon einige wissenschaftliche Studien darüber – dass geistig-emotionale Schwingungen etwas bewirken können. Vielfach belegt ist dies, wenn sie von einem großen Meister kommen. So können z.B. spontane Heilungen passieren.

Die meisten von uns haben keine so große Konzentrationsfähigkeit wie ein spiritueller Meister und können daher mit ihren Gedanken nicht so viel bewirken. Aber ein bisschen doch. Und wenn sich viele zusammentun und für dieselbe Sache beten, kann auch das Auswirkungen haben. Wenn es sehr viele sind, auch auf ein kollektives Geschehen.

Alles in dieser Welt besteht aus Schwingungen, aus Wellen. Licht, Schall, Radiowellen, Mobilfunk usw. Aber auch Materie ist auf der Quantenebene nichts anderes als elektromagnetische Schwingung. Und unser Gehirn sendet – im EEG messbar – Schwingungen aus. Gedanken sind Schwingungen. Es ist also nur allzu logisch, dass wir mit Gedanken das Geschehen um uns herum beeinflussen können. Und deshalb finde ich es in der aktuellen Situation sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen friedvolle Gedanken aussenden und damit ein Gegengewicht zu Hass und Aggression schaffen.

Mitgefühl – mit den Opfern und den Tätern

Gebet ist nichts Abgehobenes. Gebete für andere – wie wir sie auch in unserem Heilkreis praktizieren -haben nicht nur Auswirkungen auf diese, sondern vor allem auch auf uns selbst. Sie wecken unser Mitgefühl und fördern unser Gefühl der Verbundenheit. Und wirken auch dadurch friedensstiftend. Denn der Krieg beginnt im Kleinen.

In buddhistischen Gebeten heißt es immer: „Beginne die Übung mit dir selbst.“ Das ist wichtig. Zuerst müssen wir Mitgefühl mit uns selbst haben, z.B. mit dem Teil in uns, der ängstlich und besorgt ist. Oder auch ohnmächtig und wütend. Erst dann können wir Mitgefühl für andere entwickeln. Deshalb sagte auch Jesus: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

In einem zweiten Schritt üben wir mit denen, die uns nahestehen, zu denen wir uns hingezogen fühlen, im Falle des Krieges vielleicht mit dem Opfern, selbst dann, wenn wir sie nicht persönlich kennen.

In einem weiteren Schritt – und das ist für die meisten Menschen die größte Herausforderung – weiten wir unser Mitgefühl auch auf die aus, die wir nicht mögen, mit denen wir uns schwertun, die Feinde, die Aggressoren. Das bedeutet nicht, dass wir ihr Handeln gutheißen müssen. Aber wir können Mitgefühl mit den Menschen haben, die in ihrer Verblendung Leid anrichten. Für andere und für sich selbst. Weil es nie heilsam ist, anderen bewusst Schaden zuzufügen.

Und zuletzt für alle zusammen. Damit ist ausgeschlossen, dass es einen Kampf gegen … in unserem Inneren gibt. Denn schließlich sind wir alle miteinander verbunden. Wir sind die Opfer und die Täter, die Freunde und die Feinde. Wenn du dir bewusst bist, dass du Geist bist, dass du Bewusstsein bist, dann gibt es nichts außerhalb von dir. Deshalb ist da auch nichts, was bekämpft und abgewehrt werden muss. Alles und jeder kann hineingenommen werden in unser Mitgefühl, in unsere Liebe. Alles und jeder hat darin Platz.

Leben im Hier und Jetzt

Schon in den letzten zwei Jahren konnten und mussten wir üben, planlos zu sein, weil wir nie wussten, welche Regeln nächste Woche gelten werden. Und im Grund wissen wir auch sonst nie, was morgen passieren wird. Unlängst kam mir der Spruch unter: „Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, etwas anderes zu planen.“ Leider habe ich vergessen, von wem er ist, aber er trifft jedenfalls die Sache auf den Punkt.

Natürlich spricht auch nichts gegen vernünftiges Planen. Solange wir uns bewusst sind, dass es in der Zukunft keine Sicherheit gibt. Es kann immer auch ganz anders kommen. Wir haben das nicht in der Hand.

Es macht aber keinen Sinn, wenn wir uns ständig Sorgen darüber machen, was alles passieren könnte. Wenn es nicht passiert, haben wir uns umsonst Sorgen gemacht. Und wenn es passiert, nutzen uns die Sorgen, die wir davor hatten, auch nichts.

Legen wir unser Augenmerk stattdessen jeden Tag auf das, was wir gerade erleben. Auf das, was schön ist, was gelingt, wofür wir dankbar sind. Ohne mit dem zu hadern, was gestern war. Oder uns zu fürchten vor dem, was morgen möglicherweise sein könnte. Aber auch ohne das, was gerade schön ist, festhalten zu wollen. Denn das Einzige, was im Leben sicher ist, ist die Tatsache, dass sich alles ständig verändert.

Und wenn tatsächlich etwas Schreckliches passiert, im Individuellen oder im Kollektiven, können wir uns der Herausforderung stellen, was genau jetzt zu tun ist. Und dieser Herausforderung werden wir immer gewachsen sein. Dann, wenn sie da ist. Nicht vorher in unserer Vorstellung. Wir können sie nicht vorweg planen. Wir können nur dann, wenn es so weit ist, aus dem Augenblick heraus handeln. Das tun, was dann zu tun ansteht. Denn nur in der Gegenwart, nur, wenn es Realität ist, ist das Gefürchtete handhabbar.  

Geh dorthin, wo du immer sicher und geschützt bist

Unser Körper ist verletzbar und sterblich. Auch unsere Psyche kann verletzt und traumatisiert werden. Doch wenn wir uns in der Meditation tief in unseren Geist versenken, finden wir einen Ort, einen Raum in unserem Herzen, in dem wir uns absolut sicher und geschützt fühlen. Und das ist keine Illusion. Denn Körper und Psyche sind nur wie Kleidungsstücke, mit denen sich unsere Seele vorübergehend bemäntelt. Doch die Seele selbst, das reine Gewahrsein, der Atman, ist unverletzbar und unsterblich. Sie ist vollkommen frei und niemand kann ihr etwas anhaben. Wenn wir uns dessen bewusst sind – nicht nur als metaphysisches Konzept, sondern als direkte Erfahrung – dass wir die Seele sind, dann wissen wir, dass uns nichts geschehen kann, was auch immer geschieht.

Geh also immer wieder an diesen Ort, wo du absolut sicher und geschützt bist. Versenke dich in deinen Geist und genieße diese vollkommene Sicherheit und Geborgenheit, die du hier erfahren kannst. Und schöpfe aus dieser Quelle Mut und Zuversicht für das alltägliche Leben.

Mögen wir alle sicher und beschützt sein.

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