Meditation

Bei der stillen Meditation gibt es viele hilfreiche Methoden. Diese lassen sich in 3 Kategorien einteilen: konzentrierte Meditation, offenes Gewahrsein und Mitgefühlsmeditation.

Was ist Meditation?

Beim Begriff Meditation denken viele Menschen in erster Linie an geführte Meditationen, bei denen ein Lehrer einen Text spricht, der eine bestimmte Vorstellung anregen soll. Diese Art der Meditation, die meist im Liegen durchgeführt wird, ist jedoch gar keine Meditation im engeren Sinn. Ich würde sie eher Phantasiereisen nennen. Im Yoga nennt man das Yoga Nidra (Yoga-Schlaf). Das Ziel ist eine tiefe Entspannung, verbunden mit positiven Emotionen.

Aber auch sonst gibt es um den Begriff Meditation einiges an Verwirrung, weil er im christlichen Kontext anders verwendet wird als in der hinduistisch-buddhistischen Tradition. In der christlichen Tradition spricht man von Meditation im Zusammenhang mit Bild- oder Textmeditation, Meditation über eine Frage oder ein Thema. Hier wird also über einen bestimmten Inhalt meditiert. Meditation in diesem Sinne bedeutet, den entsprechenden Inhalt in den Geist einsinken zu lassen, um ihn so auf eine tiefere Weise zu verstehen, als dies durch rein intellektuelles Nachdenken möglich wäre.

Gegenstandslose Meditation, bei der es darum geht, den Geist in sich selbst hinein zu entspannen, im großen GEIST aufgehen zu lassen, während das individuelle Ich, oft auch Ego genannt, verschwindet, wird hingegen Kontemplation genannt.

In den östlichen Traditionen ist es genau umgekehrt. Man kontempliert über etwas. Mit Meditation bezeichnet man hingegen gewöhnlich die stille Meditation in einer aufrechten Sitzposition, bei der die Gedanken zur Ruhe gebracht werden. Wenn ich auf dieser Website den Begriff Meditation verwende, dann tue ich das in der Regel in diesem Sinne.

Aber auch bei der stillen Meditation gibt es viele hilfreiche Methoden. Diese lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

  1. konzentrierte Meditation
  2. offenes Gewahrsein
  3. Mitgefühlsmeditation

Konzentrierte Meditation – Das Brennglas des Geistes

Bei der konzentrierten Meditation wird der Geist einpünktig auf ein bestimmtes Objekt gerichtet. Durch diese Konzentration wird er wesentlich kraftvoller als wenn er zerstreut ist. Der konzentrierte Geist wirkt ähnlich wie ein Brennglas, bei dem die Lichtstrahlen gebündelt werden, sodass damit sogar ein Feuer entfacht werden kann.

Das Objekt kann z.B. der eigene Atem sein (Vipassana Meditation), ein Chakra (Energiezentrum), ein Mantra (heilige Silben, die immer wieder wiederholt werden), die Visualisation einer Gottheit oder eine Kerzenflamme. Es können auch mehrere Objekte miteinander verbunden werden, z.B. der Atem mit einem Mantra und der Konzentration auf ein Chakra.

In jedem Fall geht es darum, die Alltagsgedanken zu beruhigen, die Aufmerksamkeit zu konzentrieren, die geistige Energie zu bündeln und nach innen zu richten.

Offenes Gewahrsein – Entspannen in die Unendlichkeit des Bewusstseins

Beim offenen Gewahrsein tut man genau das Gegenteil wie bei der konzentrierten Meditation. Der Geist wird nicht fokussiert, sondern geweitet. Alles, was im Raum des Gewahrseins erscheint, wird wahrgenommen. Es wird allerdings nichts damit gemacht. Gedanken werden nicht unterdrückt. Sie dürfen aufsteigen und wieder verschwinden, der Meditierende spinnt sie aber nicht weiter, sondern betrachtet sie nur. Dasselbe gilt für Gefühle, sinnliche Wahrnehmungen, Handlungsimpulse und Bewusstseinszustände. Sie kommen und gehen. Der Meditierende ruht einfach nur im Gewahrsein. Er ist der Zeuge von allem, was passiert, aber ohne sich mit irgendetwas zu identifizieren. Sein, ohne etwas Bestimmtes zu sein. Reines Sein.

Mitgefühlsmeditation – Das Herz weiten

Die Mitgefühlsmeditation unterscheidet sich von den beiden anderen Arten dadurch, dass sie bewusst andere Wesen in die Meditation mit einbezieht. Zunächst gilt aber bei allen Meditationen dieser Art der Grundsatz: „Beginne die Übung mit dir selbst.“ Denn erst wenn wir Mitgefühl mit uns selbst empfinden können, sind wir auch in der Lage, mit anderen Wesen Mitgefühl zu empfinden.

Bei der Mitgefühlsmeditation werden gedanklich gute Wünsche für andere Wesen formuliert. Eine besondere Art der Mitgefühlsmeditation ist das Tonglen (wörtl. „Austauschen“). Dabei atmet der Meditierende zunächst alles, was an negativen Emotionen da ist, in sein eigenes Herz hinein, wo die Energie umgewandelt wird. Danach atmet er alle positiven Gefühle, die der andere gerade braucht, zu ihm hin aus.

Für diese Form der Meditation ist kein besonderes Setting notwendig. Man kann sie auch im Alltag in jeder Situation praktizieren, ohne dass andere Menschen das merken. Mitgefühlsmeditation wirkt sich nicht nur auf die Wesen aus, auf die sie ausgerichtet ist, sondern vor allem auf die, die die Meditation üben.

Das, was ist – Lebendiges Sein

Allen Methoden ist gemeinsam, dass der Geist dabei hellwach und bewusst ist. Meditation ist also kein Vor-Sich-Hin-Dösen, kein Dämmerzustand, kein unbewusstes Wegdriften in Gedanken oder innere Bilder. Vielmehr ist Meditation eine Übung in Präsenz. Meditation bedeutet volle Aufmerksamkeit und ganz in der Gegenwart zu sein. Denn nur die Gegenwart ist real, immer frisch und neu und höchst lebendig.

Ein weiteres Prinzip der Meditation ist die Absichtslosigkeit und Erwartungslosigkeit. Mit einer bestimmten Absicht zu meditieren, funktioniert nie. Denn dann ist das, was sein soll, im Vordergrund und nicht das, was ist. Was in der Meditation passiert, können wir nie im Vorhinein wissen. Es geht darum, offen dafür zu sein, was geschieht. Und das ist immer wahr und richtig.

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