Das Leiden an der Wurzel abschneiden

Nein, Atemnot ist nicht lustig. Ich habe es in den letzten Tagen hautnah miterlebt, wie es ist, wenn ein Mensch mit schwerer Lungenentzündung nach Luft ringt. Und wenn dabei die eigene Sauerstoffzufuhr durch eine Gesichtsmaske behindert wird, wird es noch einfacher, sich in einen Menschen in dieser Situation einzufühlen. Dieser Zustand ist erbärmlich. Und ich wünsche ihn niemandem.

Doch mein Vater wird nicht in die Covid-Statistik eingehen, die uns täglich um die Ohren gehaut wird. Weil er nicht mit Covid-19 infiziert war. Er hatte zwar dieselben Symptome, dasselbe Leid, das manche Covid-19-Erkrankte durchmachen. Aber er hatte die Lungenentzündung infolge einer schweren Krebserkrankung. Wie viele andere auch. Doch über die spricht niemand. Manchmal habe ich den Eindruck, man darf an allem sterben, solange man nicht mit Coronaviren infiziert ist.

Diesen Eindruck gewinne ich, wenn ich mitverfolge, was derzeit in der Welt geschieht. Und so wie eine zweite Chemotherapie verabreicht wird, wenn schon die erste nicht geholfen hat, anstatt den Organismus wieder funktionstüchtig zu machen, wird zum zweiten Mal die ohnehin schon geschwächte Wirtschaft an die Wand gefahren, obwohl sich schon im Frühjahr gezeigt hat, dass diese Strategie nicht erfolgreich ist. Infektionszahlen steigen – Lockdown – Zahlen sinken – Lockerungen – Zahlen steigen wieder – neuerlicher Lockdown. Wie lange soll das so weitergehen? Das kann doch nicht die Lösung sein.

Selbstverständlich kann eine Covid-19-Erkrankung zumindest für Menschen, die bereits durch bestimmte andere schwere Erkrankungen vorgeschädigt sind, gefährlich sein. Ich will das keineswegs herunterspielen. Selbstverständlich müssen wir uns überlegen, wie wir schwere Erkrankungen und Todesfälle durch Covid-19 vermeiden können. Aber um damit langfristig erfolgreich zu sein, bedarf es eines grundlegenden Umdenkens. Einer grundsätzlich anderen Herangehensweise. Nicht nur in Bezug auf Corona, sondern in Bezug auf alle Probleme und Krisen, mit denen wir zu kämpfen haben.

Wir müssen endlich aufhören, nur Symptome zu bekämpfen. Wir müssen an die Wurzeln der Probleme gehen. In Bezug auf Corona heißt das: Das Problem ist nicht das Virus. Viren hat es immer gegeben und wird es immer geben. SARS Covid-19 ist bloß ein weiteres, mit dem wir lernen müssen, in Zukunft zu leben. Denn es wird nicht verschwinden. Selbst wenn eine Impfung gefunden wird, die einigermaßen sicher und wirkungsvoll ist – was noch keinesfalls klar ist – wird das nicht die Lösung sein. Es ist eine Illusion, 8 Milliarden Menschen gegen Covid-19 zu impfen. Noch dazu zu einem Zeitpunkt, wo es noch keine Erfahrungen über eventuelle Langzeitschäden gibt. Viel wichtiger für die Weltgesundheit wäre es, alle Menschen mit sauberem Trinkwasser, ausreichenden Lebensmitteln und menschenwürdigen Wohnungen zu versorgen.

Nein, eine schwere Covid-19-Erkrankung ist bestimmt nicht lustig. Tuberkulose, Malaria, Gelbfieber, Ebola, Influenza, Cholera, Typhus, Masern und viele andere Infektionskrankheiten aber auch nicht. Genauso wenig wie nicht übertragbare Krankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krebs, Diabetes, Gicht, Rheuma, Leberzirrhose, Nierenversagen, Demenz, Depressionen, Parkinson und viele weitere. Ganz zu schweigen von den Bedrohungen durch Hunger und Krieg.

Aber wenn wir nicht nur Symptome bekämpfen wollen – mit schweren Kollateralschäden – dann müssen wir allgemein die Gesundheit stärken. Dann müssen wir dafür sorgen, dass es gar nicht erst so viele Menschen gibt, deren Gesundheit so schwer geschädigt ist, dass ihnen ein Virus so viel anhaben kann. Gerade bei Covid-19 hat sich gezeigt, dass gesunde Menschen gar nicht oder nur leicht erkranken. Also müssen wir die Gesundheit stärken und nicht zusätzlich schwächen.

Anstatt Gaststätten zu schließen, müssen wir dafür sorgen, dass dort gesundheitserhaltendes, vitalstoffreiches Essen serviert wird anstatt Leichenteile von gequälten und mit Antibiotika vollgestopften Tieren mit pestizidvergifteten Kartoffeln herausgebacken in zellschädigenden Transfettsäuren.

Anstatt durch Panikmache und Maskenzwang Menschen dazu zu bewegen, von öffentlichen Verkehrsmitteln aufs Auto umzusteigen und  damit noch mehr Schadstoffe in die Luft zu puffen, müssen wir den Schadstoffgehalt der Luft verringern, um unsere Lungen nicht noch mehr zu schädigen und anfällig für Atemwegserkrankungen zu machen.

Anstatt Sportstätten zu schließen, in denen sich erwiesenermaßen bisher kaum Menschen mit Covid-19 angesteckt haben, und Kindern, die sich ohnehin viel zu wenig bewegen, auch noch die Sportstunden zu streichen, sollten wir den Sport forcieren, weil Bewegung das Immunsystem stärkt.

Statt Yogagruppen auf 6 Teilnehmer zu reduzieren, was zahlreiche Studios zum Zusperren zwingt, weil sie so wirtschaftlich nicht überleben können, sollte Yoga gefördert werden, weil er auf vielfältige Weise zur körperlichen und seelischen Gesundheit beiträgt und noch nie eine Covid-19-Übertragung durch Yoga und Meditation nachgewiesen wurde.

Statt Kindern zu verbieten, mit Freunden zu spielen und ihnen Schuldgefühle einzureden, wenn sie ihre Großeltern besuchen, sollten wir ihnen vielmehr soziales Verhalten beibringen durch die Erfahrung, wie nährend und wohltuend direkte menschliche Beziehungen und Berührungen sind. Social distancing als gesundes Sozialverhalten anzupreisen ist ein Widerspruch in sich und widerspricht der menschlichen Natur.

Statt der Jugend ihre Zukunft zu verbauen, weil sie in der Wirtschaftskrise keine Ausbildungsplätze und keine Jobs mehr bekommen, sollten wir ihr ganzheitliches Denken beibringen und ihr Potential nutzen, um die Welt zukunftsfähig zu gestalten.

Wir sollten uns überlegen, wie wir Pflege anders organisieren können. Ohne pflegebedürftige Menschen zu isolieren und zu konzentrieren. So dass ein Virus, wenn es in ihre Nähe kommt, gleich reihenweise Menschen dahinrafft. Wir müssen Modelle entwickeln, wie auch alte und pflegebedürftige Personen als wertvolle Mitglieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, im Kontakt mit anderen Generationen statt abgeschoben in Heime.

Und wie wäre es, wenn wir, anstatt mit Masken in Supermärkte zu gehen, wo sich ebenfalls noch nie nachweislich jemand infiziert hat, gesundheitsschädliche Waren wie Zigaretten und Alkohol, Fertigprodukte, Zucker, Mehl und Billigfleisch von dort verbannen und stattdessen mehr frisches, biologisches Obst und Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte anbieten würden? Was natürlich eine völlig andere Agrarpolitik und Änderung von landwirtschaftlichen Förderungen voraussetzt.

Natürlich sind das alles langfristige Projekte. Aber die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, Menschen zu gravierenden Änderungen ihrer Lebensweise zu bewegen, wenn der politische Wille dazu da ist. Und gerade jetzt wäre es hoch an der Zeit, genau diese Änderungen anzugehen. Denn es kann nicht die gesamte Weltbevölkerung dauerhaft auf das wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Leben verzichten wegen eines Virus, das gesunden Menschen kaum etwas anhaben kann. Und auch nicht auf eine Impfung warten, die es vielleicht irgendwann einmal geben wird. Denn das nächste Virus kommt bestimmt. Und dann beginnt der ganze Spuk von Neuem?

Durch eine gesunde Lebensweise in einer gesunden Gesellschaft könnten wir viele Krankheiten vermeiden. Gerade solche, die als Risikofaktoren für Covid-19 gelten. Etwa koronale Herzerkrankungen, Diabetes und Lungenerkrankungen.

Bei Krebs ist es etwas komplizierter. Zwar ließe sich Studien zufolge etwa ein Drittel der Krebserkrankungen durch gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Nichtrauchen vermeiden, viele weitere wohl auch durch eine Reduktion von Giften in unserer Umwelt. Aber Lebenskrisen, emotionale Schocks und Traumata werden wir wohl nie ganz vermeiden können. Sie gehören zum Leben.

Allerdings könnten wir auch bei Krebs die Selbstheilungskräfte stärken, anstatt durch Chemotherapien den Körper zu vergiften und das Immunsystem zu zerstören, so dass krankmachende Viren und Bakterien leichtes Spiel haben.

Und auch den Tod müssen wir akzeptieren. Wir sollen Menschen, die ihr Leben gelebt haben und für die es keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt, in Frieden sterben lassen, anstatt sie bis zur letzten Minute mit Behandlungen zu traktieren, die nur ihr Leiden verlängern. So stellt sich mir auch die Frage, ob die Behandlung von alten, schwer kranken Menschen in Intensivstationen immer zum Wohl der Betroffenen ist. Ob sie nun Covid-19 haben oder etwas anderes.

Es gibt vieles, was wir tun könnten, um Krankheit und Leiden zu minimieren und vorzeitige Todesfälle – falls es so etwas gibt – zu verhindern. Dennoch wird es Krankheit und Tod, körperliches und seelisches Leiden immer geben. Um das zu überwinden, müssen wir noch eine Schicht tiefer gehen. Wenn wir die Wurzel allen Leidens suchen, stoßen wir an die Wahrheit, die uns Weise schon seit Jahrtausenden lehren: Wir müssen aufhören, Erfahrungen abzulehnen oder unbedingt haben zu wollen. Indem wir erkennen, was wir in Wahrheit sind. Und die Identifikation mit dem auflösen, was wir nicht sind, aber glauben zu sein. Yoga ist ein Weg, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.

Als mein Vater die Diagnose Pankreaskrebs bekam, meinte er: „Jetzt schaue ich mir selbst beim Sterben zu.“ In diesem Satz steckt genau diese Wahrheit. Wenn wir uns selbst zuschauen können, gibt es zwei Ichs. Das, das etwas tut, denkt oder fühlt. Und das, das der Zeuge davon ist.

Am letzten Tag, an dem ich ihn noch in ansprechbarem Zustand antraf, verabschiedete ich mich von ihm mit den Worten: „Falls wir uns nicht mehr sehen, wünsche ich dir eine gute Reise. Du bist nicht der Sterbende, sondern der, der zuschaut.“ Vielleicht hat er am nächsten Tag, als er seinen Körper verließ, verstanden, was ich damit meinte.

3 Gedanken zu “Das Leiden an der Wurzel abschneiden”

  1. wow, so berührend dass du deine persönliche Geschichte teilst. vielen Dank von Herzen.
    in dein Text spricht mich so an, sprüht mir aus dem Herzen, so reflektiert und aus der Tiefe, so viele gute Ideen.
    Danke dir.

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  2. ups, da haben sich vorhin 2 Fehler eingeschlichen, nun der korrekte Text:

    wow, so berührend dass du deine persönliche Geschichte teilst. vielen Dank von Herzen.
    Sein Text spricht mich so an, spricht mir aus dem Herzen, so reflektiert und aus der Tiefe, so viele gute Ideen.
    Danke dir.

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