Suchet zuerst das Reich Gottes …

Seit einiger Zeit geht mir immer wieder ein Lied durch den Kopf, das ich in meiner Jugend mit großer Begeisterung gesungen habe: „Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt. Suchet zuerst Gottes Reich. Und alles andere wird euch dazu geschenkt. Halleluja, Halleluja!“ Es gehört zu jenen christlichen Liedern, die ich auch heute noch singen kann, ohne dass sich mir beim Text die Nackenhaare aufstellen. Im Gegenteil: Es ist ein Zitat aus dem Evangelium (Mt. 6,33), das mich immer wieder aufrüttelt.

Was ist das Reich Gottes?

Doch was ist das Reich Gottes, von dem Jesus da spricht, überhaupt? Darüber gibt es viele Missverständnisse. Um einen jenseitigen Himmel, in den wir nach dem Tod kommen, kann es sich nicht handeln. Sonst würde Jesus uns ja nicht auffordern, es zu suchen. Da es unvergänglich ist, überdauert es allerdings den Tod, wenn wir es bereits im Leben gefunden und verwirklicht haben.

Das Reich Gottes ist auch nicht die ideale Gesellschaftsform, wie manchmal propagiert wird. Natürlich können und sollen wir uns bemühen, die kleinen und großen Herausforderungen, vor denen wir als Individuen und als Weltgemeinschaft stehen, zu lösen. Selbstverständlich können und sollen wir alles dazu tun, damit dieser Planet für alle Wesen eine lebenswerte Heimat bietet. Dass Liebe und Gerechtigkeit herrschen und unsere Ökosysteme intakt sind.

Aber die ideale Gesellschaft, in der alle Probleme gelöst sind, werden wir nie erreichen. Wenn eine Herausforderung bewältigt ist, tritt eine neue auf. Hier kommen wir also nie zu einem Ende. Das ist der Lauf der Evolution.

Der größte Schatz liegt in uns selbst verborgen

Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, meint er etwas anderes. Andere Meister nennen es Selbst-Verwirklichung, Gott-Verwirklichung, Erwachen oder Erleuchtung. Es ist jenseits von allem, was wir in der Welt tun und erreichen. Es ist „inwendig in euch“, wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt. Wir finden es also, wenn wir unseren Geist, unsere Aufmerksamkeit nach innen wenden.

Aber warum fordern Jesus und auch alle anderen großen Meister uns auf, das zu tun? In Mt. 13,44-46 vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Schatz, der viel wertvoller ist als alle anderen Schätze zusammen. Die Aufforderung, der Suche nach dem Reich Gottes die oberste Priorität in unserem Leben zu geben, ist also kein moralischer Imperativ, sondern der Rat eines Meisters, der in dieser Suche erfolgreich war, dabei höchstes, unvorstellbares Glück gefunden hat und aus seiner Liebe heraus anderen wünscht, dass sie dieses Glück ebenfalls finden.

Glück, das von etwas abhängig ist, ist vergänglich

Alles Glück, das wir in unserem normalen Leben haben können, ist vergänglich. Der Körper altert, kann schwach und krank werden und stirbt irgendwann. Geld und Wertpapiere können an Wert verlieren, auch Immobilien oder andere materiellen Güter. Oder sie können verloren gehen, gestohlen oder zerstört werden. Vom Gipfel des Erfolges oder der Macht kann man schnell abstürzen. Selbst Beziehungen wandeln sich, können auseinandergehen und geliebte Menschen können sterben.

Hier gibt es keine Sicherheit. Es spricht nichts dagegen, diese Dinge zu genießen und uns daran zu erfreuen, solange wir sie haben. Aber das Glücksgefühl, das damit verbunden ist, ist nur vorübergehend. Wir können und werden es wieder verlieren.

Das wahre Glück ist grundlos und ewig

Nur den Schatz, den wir in unserem Inneren haben, kann uns niemand nehmen. Er ist da, unabhängig von allen äußeren oder inneren Umständen. Er ist beständig, kann weder verloren gehen noch beschädigt werden. Er bleibt. Allerdings ist er den meisten Menschen nicht zugänglich. Sie wissen nichts von ihm. Unsere Aufgabe ist es also, den Weg zu ihm frei zu räumen und das Tor zu öffnen, damit wir ihn heben können. Das ist das, wozu Jesus uns ermutigt, wenn er uns auffordert: „Suchet zuerst das Reich Gottes!“

Der unverstandene Bibelvers

Aber wie sollen wir diese Suche angehen? Im Matthäus-Evangelium gibt es wenige Verse davor einen wichtigen Hinweis. Es ist ein Absatz, der nicht sehr bekannt ist. Wohl deshalb, weil ihn die meisten Menschen – die meisten Prediger*innen eingeschlossen – nicht verstehen und deshalb überlesen und nicht erinnern.

Es geht dabei um das innere Licht: „Das Auge gibt dem Menschen Licht. Wenn das Auge klar ist, dann ist der ganze Mensch von Licht erfüllt. Wenn aber das Auge schlecht ist, dann ist auch der ganze Mensch im Dunkeln. Wenn nun das an euch dunkel wird, was euch Licht geben soll, wie schrecklich wird dann die Dunkelheit sein!“ (Die gute Nachricht Mt. 6, 22-23).

Jesus lehrt Yoga

Jesus spricht dabei von dem Auge in der Einzahl. Darin sind sich auch alle Übersetzungen einig. Nun haben aber die meisten Menschen zwei Augen im Kopf. Warum sagt er dann nicht „die Augen“? Die Antwort ist ganz einfach: Weil er nicht die physischen Augen meint, sondern das 3. Auge in der Mitte der Stirn, zwischen den Augenbrauen, das Stirnchakra oder Ajna-Chakra. Jesus spricht hier über Yoga!

In Indien malen sich viele Menschen einen Punkt oder 3 weiße Striche als Symbol für Shiva auf diese Stelle. Die Bedeutung des 3. Auges ist dort also allgemein bekannt. Und auch Jesus – dieser große Yogi – wusste darum und sprach auch darüber. Aber hast du schon jemals in einem Gottesdienst einen Pfarrer über das 3. Auge sprechen gehört? Oder gar eine Anleitung erhalten, wie du es reinigen und öffnen kannst? Ich jedenfalls nicht, obwohl ich in meinen jungen Jahren viele Gottesdienste besucht habe, sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche.

Wir sind göttliches Licht

Und das, obwohl diese Passage in einer zentralen Stelle der Bibel steht, in den Evangelien von Matthäus und Lukas. Bei Lukas (Lk. 11, 34 – 36) ist es sogar noch deutlicher. Da steht zum Schluss (hier finde ich die Luther-Übersetzung besser): „Wenn nun dein Leib ganz licht ist, dass er kein Stück von Finsternis hat, dann wird er so licht sein, wie wenn ein Licht mit hellem Blitz dich erleuchtet.“ Das erinnert mich an ein Gedicht des islamisch-hinduistischen Mystikers Kabirs, wo er schreibt, dass in dem göttlichen Leuchten das Strahlen von Millionen Sonnen und Monden verblasst.

Das Licht, um das es hier geht, ist das Licht des reinen Gewahrseins, das aufscheint, wenn alle sinnlichen Wahrnehmungen und Gedanken zur Ruhe kommen. Es ist das, was wir in unserer Essenz wirklich sind. Es ist auch das Licht, das im Augenblick des Sterbens aufscheint, wie viele Nahtoderfahrungen zeigen.

Nur mit Yoga-Wissen wird die Bibel verständlich

Nur mit diesem Verständnis, dass Jesus hier vom 3. Auge spricht, gibt der ganze Absatz Sinn, vor allem, wenn man ihn im Kontext mit dem vorangegangenen und dem nachfolgenden Absatz liest. (Diese Reihenfolge gibt es allerdings nur bei Matthäus. Bei Lukas steht sie an anderer Stelle.)

Zuerst spricht er davon, dass wir unsere Schätze nicht auf der Erde sammeln sollen, wo Motten und Rost sie zerfressen und Diebe sie stehlen können, sondern im Himmel (unserem Inneren), wo sie unvergänglich sind. Und dann gibt er einen Hinweis, was er damit meint. Es geht darum, das 3. Auge zu reinigen und zu öffnen. Wenn wir dieses Energiezentrum aktivieren, bekommen wir Zugang zu unserem höheren Bewusstsein und zu unserer Intuition. Wir können klarer sehen, im Sinne von höchster Weisheit und tiefstem Verstehen. Wir können erkennen, dass wir im Grunde unseres Wesens reines Licht sind. Außerdem liegt in diesem Energiezentrum enorme geistige Kraft. Jesus fordert uns also auf, Yoga zu praktizieren!

… und alles andere wird euch dazu geschenkt

Die frohe Botschaft, die danach folgt, finde ich besonders erfreulich. An die Aufforderung, unserer spirituellen Entwicklung (der Suche nach dem Reich Gottes) die oberste Priorität einzuräumen, uns nach innen zu wenden und das 3. Auge zu öffnen, ist eine Verheißung geknüpft: Und alles andere wird euch dazu geschenkt.

Es ist also keine Entweder-Oder-Entscheidung. Es geht nicht darum, uns in eine Höhle zu verkriechen und auf alles andere zu verzichten. Vielmehr ist es so, dass wir alles andere, was uns wichtig ist und was wir wirklich brauchen, sowieso bekommen werden, auch dann, wenn wir uns nicht vorrangig darum kümmern, sondern all unsere Bestrebungen auf die Suche nach dem Reich Gottes ausrichten.

Denn je mehr wir es in uns verwirklicht haben, desto mehr werden wir von Gott geführt. Oft ergibt sich dann vieles von selbst. Scheinbare Zufälle und glückliche Fügungen stellen die Weichen in unserem Leben. Die richtigen Informationen fallen uns zur richtigen Zeit zu. Wir ziehen genau die Menschen an, die uns weiterhelfen. So brauchen wir uns dem Leben nur noch hinzugeben.

Die Prioritäten richtig setzen

Wenn wir unsere Prioritäten richtig setzen – das Wichtigste zuerst – dann geht sich auch alles andere noch aus. Das ist auch meine eigene Erfahrung. Obwohl ich in den letzten 10 Jahren bis zu 4 Stunden täglich meiner Yogapraxis widmete, konnte ich daneben noch im Jugendamt arbeiten und Geld verdienen, meine Yogakurse geben, das Haus ausbauen, eine Wohngemeinschaft gründen, den Yogaraum und schließlich auch noch die Krebsberatung aufbauen. Und daneben meinen Haushalt führen und täglich frisch und gut kochen.

Wenn also jemand behauptet, er hätte keine Zeit, einen Yogakurs zu besuchen oder regelmäßig zu praktizieren, so ist das nie richtig. Jeder hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Es ist immer nur eine Frage der Prioritätensetzung. Ist es dir wichtig, den Schatz in deinem Inneren zu heben? Hat es für dich oberste Priorität, weil es nichts Wertvolleres in dieser Welt zu entdecken gibt? Wenn du diese Frage mit „Ja“ beantworten kannst, dann wird sich immer die nötige Zeit dazu finden. Wenn du hingegen lieber an der Oberflächlichkeit der Welt hängen bleiben willst, wirst du immer eine Ausrede finden, warum das nicht geht.

Das „Ja“ zu deinem wahren Wesen

Mir selbst geht es so, dass ich dieses „Ja“, zu dem ich mich schon in meiner Jugend klar bekannt habe, immer wieder und wieder erneuern muss. Denn immer wieder gibt es Ablenkungen, gibt es Aufgaben, die meine Aufmerksamkeit binden und die Suche nach dem Reich Gottes in den Hintergrund treten lassen, auch in den letzten 21 Jahren, in denen ich die regelmäßige Meditationspraxis nie unterbrochen habe.

Impulse von außen können dabei meiner Erfahrung nach eine große Hilfe sein. Solche Impulse möchte ich in meinen Yogakursen geben, vor allem

  • im Yoga Vertiefungskurs, wo ich Yoga-Praxis mit Yoga-Philosophie verbinde. Heuer wird es um Chakren, Nadis und die Kundalini-Energie gehen. Und damit natürlich auch um das 3. Auge.
  • Im Meditationskurs, wo du eine gute Einführung erhältst, wie du eine regelmäßige Meditationspraxis etablieren kannst, ohne andere Yoga-Techniken wie Asanas und Pranayama.
  • Und zu den Yoga-Wochenenden, wo du die Möglichkeit hast, tiefer in die Praxis von Yoga und Meditation einzutauchen.

Die Yoga Basiskurse wiederum können erste Impulse für Einsteiger sein, um einen Geschmack von Yoga zu bekommen. Nutze die Gelegenheit und melde dich jetzt zu einem für dich passenden Kurs an.

Für die Yogakurse gilt übrigens: Und alle anderen werden dir dazu geschenkt!

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