Céline Tüyeni, Mentorin für unaufgeregte Sichtbarkeit und Kundengewinnung, über die ich vor kurzem auf Instagram gestolpert bin, hat mich eingeladen, bei einer Blogparade zum Thema „Warum tue ich mir das an?“ teilzunehmen. Also gut!
Mein Lebensziel: Selbstständig sein
In Bezug auf meine Selbstständigkeit habe ich mich das eigentlich noch nie gefragt. Das heißt, ich habe die Entscheidung, einen sicheren und gut bezahlten Job zu kündigen und in die Vollselbstständigkeit zu gehen, die ich vor 8 Jahren getroffen haben, noch keine Sekunde in Frage gestellt.
Es war ein Ziel, auf das ich schon Jahre vorher hingearbeitet habe und ich kann jetzt mein Leben genau so führen wie es mir entspricht. Mir meine Zeit einteilen, wie es mir passt, z.B. morgens lange Yoga üben, spät frühstücken, ein paar Stunden arbeiten, mittags, wenn die Sonne scheint (bei über 30 °C dann doch lieber abends 😊) in den Wald gehen, gut kochen und essen und dann wieder ein paar Stunden arbeiten.
Ich tue also alles das, was mir wichtig ist, schon jetzt. Deshalb arbeite ich beruflich selten mehr als 5 Stunden am Tag. Dafür gibt es für mich aber keine Wochenenden, Feiertage oder Ferien. Was gerade Priorität hat, hat Priorität, egal, ob das berufliche Arbeit, Haushalt, Familie oder Freizeit ist. Da ich zu Hause arbeite, brauche ich das auch nicht klar abzugrenzen. Ich muss weder irgendwohin fahren noch meine Arbeitszeit erfassen. Noch mich gegenüber irgendjemandem rechtfertigen.
Alles, was ich mache, mache ich gern
Ich genieße dieses Leben. Ich habe keinen Stress mehr wie früher und mache nur noch das, was mir Spaß macht. Ich liebe es, Yoga zu unterrichten. Ich finde es total spannend, Psychobionik-Sessions anzuleiten. Es ist mir ein Anliegen, Menschen, die von Krebs betroffen sind, dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen und auf natürliche Weise gesund zu werden. Und ich freue mich, wenn der Yogaraum auch von anderen Kursleiterinnen und Kursleitern genutzt wird.
Ja, wenn das alles läuft, ist es super. Immerhin ist es mir schon 8 Jahre lang gelungen, wirtschaftlich zu überleben, inklusive der Mieteinnahmen von den Mitbewohnern in unserer WG und der Unterstützung meines Mannes.
Aber was, wenn es nicht mehr läuft?
Doch derzeit ist gerade der Worst-Case eingetreten. Wenn nicht in den nächsten paar Woche noch jemand beschließt, ab September in unser Haus einzuziehen, steht die WG leer. Ich habe gerade mal vier (!) Leuten eine Yoga-Sommercard verkauft. Das ist der absolute Tiefststand, seit ich Yoga unterrichte. Und das sind immerhin schon über 14 Jahre. Und da ist sogar die Coronazeit inkludiert.
Auch sonst ist im Yogaraum tote Hose. Die wenigen Workshops, für die Termine reserviert sind, werden fast alle abgesagt.
Krebsberatungen habe ich im ersten Halbjahr dieses Jahres noch weniger gemacht als die Jahre davor und mit Psychobionik richtig durchzustarten ist mir auch noch nicht gelungen. Bis jetzt habe ich vor allem viel Geld in meine Ausbildung investiert.
Die Crux mit dem Marketing
Und da komme ich um eines nicht mehr herum, was ich bisher immer etwas vernachlässigt habe: Mich um mein Marketing zu kümmern. Bisher war das immer das Erste, was ich gestrichen habe, wenn die Zeit knapp war. Warum? Weil es für sich genommen eine sinnlose Tätigkeit ist.
Alles andere, also alles, was mit direktem Kundenkontakt zu tun hat, egal, ob beim Yoga, in der ganzheitlichen Krebsberatung oder in der Psychobionik, ist für mich sinnvoll und mache ich gerne, weil es einen unmittelbaren Wert für andere hat und ich gerne mit Menschen arbeite. Aber Marketing ist nur Mittel zum Zweck, dient also nur dazu, dass ich das, was ich gerne machen würde, auch machen kann.
Sinnvoll wäre es vielleicht noch, wenn ich einen direkten Zusammenhang zwischen meinen Marketingaktivitäten und neuen Kunden sehen würde. Aber das ist nicht so. Manchmal kommt ein Schippel neuer Menschen in meine Yogakurse, obwohl ich kaum Werbung gemacht habe. Dann wieder mache ich alles Mögliche, ohne jeden Erfolg.
Klienten mit Krebs kommen sowieso fast alle über Krebs21, wo ich als ganzheitliche Krebsberaterin gelistet bin. Nur hin und wieder findet einmal jemand einen Flyer. Und mit der Website auf Seite 1 von Google zu landen, betrachte ich als aussichtslos. Und die Psychobionik habe ich bisher nur im Newsletter und im direkten Kontakt beworben, weil ich noch in Ausbildung war. Das möchte ich aber gerade ändern.
Social Media, die Technik und die KI
Vor ein paar Wochen habe ich angefangen, Videos zu drehen und auf Facebook und Instagram zu stellen. Das ist viel Arbeit, auch wenn ich langsam etwas Routine bekomme. Aber immer noch werden meine Reels auf Instagram verzerrt dargestellt und ich bin noch nicht draufgekommen, was ich dagegen machen kann.
Die Technik! Kaum etwas ist so nervzehrend wie der Kampf mit der Technik! Seit kurzem befrage ich die KI, wenn ich von irgendwelchen technischen Problemen blockiert werde, aber die ist ja Teil davon und gibt auch nicht immer gescheite Antworten. Jedenfalls bin ich draufgekommen, dass es immer noch einfacher ist, mein neues Logo auf Canva fertigzustellen und mir für die Beseitigung des Hintergrunds einmal Canva Pro zu leisten als Chatty oder Claude damit zu beauftragen. Diese beiden neuen Mitarbeiter brauchen noch viel Einschulung und werden außerdem schnell müde, solange ich sie nicht bezahle.
Ach ja, und wenn ich mir dann die Ergebnisse meiner Videos ansehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Ein ganz einfach hergestelltes Video, wo ich bloß das Knie beuge und strecke, eine von vielen Übungen, die ich in jeder Yoga-Anfängerstunde mache, hat über 9.000 Aufrufe auf Instagram. Die meisten anderen, wo viel mehr wertvoller Inhalt drin ist, grundeln bei unter 200 dahin. Und das sind nur Zahlen. Von neuen Kunden rede ich da noch gar nicht.
Ja, und da frage ich mich dann schon manchmal: Warum tue ich mir das an? Aber die Antwort ist klar: Ich will mein Business wieder zum Laufen bringen. Und deshalb probiere ich gerade einiges aus, um herauszufinden, was mehr bringt als es kostet. An Zeit, Geld, Energie und Nerven. Mit Nichtstun und hoffen, dass die Kunden von selbst kommen, wird es halt auch nicht funktionieren.
Das magische Alter
Nun habe ich vor einem halben Jahr ein magisches Alter erreicht: 60 Jahre. Das ist das Alter, in dem bis vor kurzem Frauen regulär in Pension gegangen sind. Da das zurzeit durch das Hinaufsetzen des Frauenpensionsalters wie mit der Karotte vor der Nase ist, kann ich das zwar erst in zwei Jahren tun. Aber das ist ja auch nicht mehr lang.
Deshalb sehe ich die derzeitige Flaute relativ gelassen. 2 Jahre gfrette ich mich schon noch durch. Selbst wenn gar nichts mehr läuft, bin ich gut genug abgesichert, um nicht am Hungertuch zu nagen. Und ich muss auch noch nicht mein Haus versteigern. Ich könnte also die WG aufgeben, den Zubau unseres Hauses, in dem sich u.a. der Yogaraum befindet, abtrennen, im Yogaraum eine Küche einbauen und den ganzen Zubau an eine Familie vermieten. Da ließe sich sicher jemand finden. Mit der kleinen Pension, die ich bekommen werde und den Mieteinnahmen könnte ich knapp, aber doch einigermaßen leben, zumal dann ja auch Betriebsausgaben wegfallen würden.
Aber was mache ich dann?
Nicht, dass mir fad würde. Meine Mutter wird nicht jünger und ich möchte mit ihr Zeit verbringen, solange ich sie noch habe. Enkelkinder purzeln der Reihe nach ins Leben und werden größer. Der Garten bietet ein sehr großes Betätigungsfeld. Ich könnte mit meinem Mann wieder mehr Ausflüge und Reisen unternehmen, wieder öfter auf Retreat fahren und mich mehr mit Musik und Kultur beschäftigen. Mich vielleicht mal beim Malen probieren oder Sanskrit lernen.
Ich habe keine Sorge, dass mir nichts einfiele. Aber will ich das? Alles, was mir wirklich wichtig ist, mache ich ja auch schon jetzt, neben meiner selbstständigen Arbeit. Nein, ich will gar nicht aufhören zu arbeiten! Bloß weil ich an einer künstlich festgelegten Schwelle zum Pensionsalter stehe. Ich lebe einigermaßen gesund und wenn ich 102 werde, habe ich noch die Hälfte meines Erwachsenenalters vor mir! Ich fühle mich fit und voller Energie, habe Lust, immer wieder etwas Neues zu lernen und auszuprobieren und ich will das, was ich gerade gelernt habe, auch umsetzen und in die Welt bringen.
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass alles, was ich beruflich mache, für andere wertvoll ist. Der Sinnaspekt ist für mich also noch wichtiger als der wirtschaftliche. Nur wenn ich zu der Erkenntnis kommen sollte, das irgendetwas, was ich mache, sinnlos ist oder mehr schadet als nützt, möchte ich es aufgeben.
Lieber ein neues Business als Ruhestand
Aber selbst für den Fall, dass es mir nicht gelingen sollte, in den nächsten 2 Jahren die Säulen meines bisherigen Business wieder aufzustellen und tatsächlich etwas Neues dran ist, kreisen meine Gedanken weniger um die Annehmlichkeiten des Ruhestands als darum, welche beruflichen Pläne ich noch nicht verwirklicht habe.
Zum Beispiel ein veganes Restaurant zu eröffnen. Das wäre schon noch einmal eine ordentliche Nummer größer und risikoreicher als alles, was ich bis jetzt gemacht habe und in einer Branche, die für mich völliges Neuland ist. Und ich müsste wahrscheinlich einige Annehmlichkeiten, die ich jetzt genieße, aufgeben, z.B. meine Mittagspause in der Natur.
Trotzdem reizt es mich. Unterwegs ein veganes, vollwertiges Essen zu bekommen und davon auch noch satt zu werden, ist nahezu unmöglich. Ich muss mich auf Reisen immer selbst versorgen. Zu zeigen, dass es auch anders geht, wäre schon eine interessante Herausforderung.
Aber wahrscheinlich werde ich das erst im nächsten Leben umsetzen. Und mich in diesem damit begnügen, hin und wieder für eine ganztägige Seminargruppe im Yogaraum zu kochen.
Weil meine Arbeit wertvoll ist
Denn jetzt will ich mich auf das konzentrieren, was ich schon mache: Yoga, Yogatherapie, Yoga & Krebs, ganzheitliche Krebsberatung, Psychobionik und seit kurzem auch EFT. Alles das ist wertvoll und hat so großes Potential, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu verbessern, die bereit sind, selbst etwas dafür zu tun.
Und dafür tue ich es mir an, mich auch mit dem leidigen Thema Marketing zu beschäftigen. Und manchmal kann sogar das Spaß machen 😊.
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Liebe Dechen,
vielen Dank, dass Du Deine Gedanken und Deine Situation so ehrlich mit uns teilst! Schön, dass Du an der Blogparade teilnimmst.
Bei dem veganen Restaurant wäre ich sofort dabei (wäre es in meiner Nähe) 😉
Wir machen weiter! Natürlich.
Liebe Grüße
Céline
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Danke für diesen wundervollen Beitrag!
Ich begleite als Coach Frauen 50 plus (manche sind schon mit 45 gedanklich soweit), sich ihre Vision für die zweite Lebenshälfte für Beruf und Privat zu entwickeln. Du hast so eine Leidenschaft und große Vision von Dir und dem wie Du wirken willst – das ist sensationelL!!
Bringe unbedingt all die Ideen in die Welt. Und ein Magic-Tipp, den ich sowohl bei Tony Robbins, als auch Dr. Joe Dispensa als auch Bob Proctor gelernt habe und sehr schätze: WORTE ERSCHAFFEN REALTITÄT.
Es ist also keine Frage ob Du es schaffst…nur: wann und wie! Wenn Du es willst.
Und vielleicht hilft Dir zum Thema „leidiges Marketing“ ein Reframe: Market – Markt: wenn meine Oma auf dem Markt das Brot nicht ausgelegt hätte – hätten viele ihr wunderbar leckeres Brot nicht essen können. Unterlassene Hilfeleistung. Das ver-MARKT-en ist also ein Dienst für die Menschen, die Dich sonst nicht gefunden hätten…
Herzliche Grüße, Justine (über Celine´s Seite hierher gekommen)
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