Yoga hilft (fast) immer

Yoga hilft fast immer

Im Sommer habe ich vor den umliegenden Geschäften Einladungen für die 10-Jahres-Feier verteilt. Dabei fand ich es interessant, was für Vorstellungen über Yoga so herumgeistern. So ziemlich jeder verbindet mit Yoga irgend etwas. Die meisten Menschen haben in Wirklichkeit aber keine Ahnung, worum es im Yoga geht. Schon gar nicht, was für ein riesiges Potential an Benefits Yoga bietet.

Zu unbeweglich für Yoga?

„Dafür bin ich zu unbeweglich“, ist ein Satz, den ich oft zu hören bekam. Nun ja, die Beweglichkeit wird zwar durch Hatha Yoga gefördert und es bereitet mir immer wieder Freude zuzusehen, wie Menschen, die beginnen, Yoga zu praktizieren, ihre körperlichen Fähigkeiten innerhalb weniger Wochen verbessern. Auch dann, wenn sie schon weit über 60 sind, wo doch angeblich in fortgeschrittenem Alter alles immer nur schlechter wird.

Aber es ist doch keineswegs notwendig, beweglich zu sein, um mit Yoga zu beginnen. Die Yogapraxis lässt sich immer an die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Übenden anpassen. So nimmt auch ein weit in den Siebzigern stehender Mann mit Parkinson, der ziemlich unbeweglich ist, seit ein paar Jahren an einer meiner Yogagruppen teil. Das geht. Und er profitiert davon.

Yoga für Jung und Alt, Mann und Frau

Im Gegensatz dazu meinte eine junge Frau, sie sei für Yoga noch zu jung. Das überraschte mich umso mehr, als doch die meisten Yoga-Werbebroschüren voll sind mit jungen, schlanken, sportlichen Frauen. Hat sich dieses Image gewandelt und ist Yoga jetzt plötzlich nur noch was für Oldies? Ich denke, je früher Menschen Yoga für sich entdecken, desto besser.

Und Männer? Wenn ein Mann eine Einladung entgegennahm, dann meistens mit der Bemerkung, ihn interessiere das nicht, aber vielleicht seine Frau bzw. Freundin. Auch das ist sonderbar, wenn man bedenkt, dass Yoga jahrhundertelang mehr oder weniger Männern vorbehalten war und fast alle großen Yogameister der Geschichte Männer waren. Mittlerweile hat sich das gedreht und Männer trauen sich kaum mehr in Yogakurse. Obwohl sie natürlich genauso davon profitieren wie Frauen und es mindestens genauso nötig haben.

Yoga und der christliche Glaube

Hin und wieder traf ich auch auf Menschen, die Zweifel hatten, dass Yoga mit ihrem christlichen Glauben vereinbar sei. Sie wissen immerhin, dass Yoga in Indien entstanden und damit vom Hinduismus geprägt ist. Aber sie verstehen nicht, dass es bei Yoga nicht darum geht, irgendetwas zu glauben, sondern dass es sich dabei um einen Praxisweg handelt, bei dem es um die eigene Erfahrung geht.

Die Vorstellung, dass man als Christ keine Körper- und Atemübungen machen dürfe oder gar meditieren oder Mantren singen, verkehrt die Lehre Jesu wohl in ihr Gegenteil. Vielmehr kann man sagen, dass Jesus ein hervorragender Yogameister war und wohl deshalb, weil es so viele Ähnlichkeiten zwischen der Lehre Jesu und der Lehre des Yoga gibt, wird von manchen Menschen sogar die Theorie vertreten, dass Jesus in Indien war und dort Yoga gelernt hat.

Zeit für Yoga oder Zeit zum Kranksein?

Was ich am allerhäufigsten zu hören bekomme, ist aber: „Dafür habe ich keine Zeit!“ Das ist natürlich immer eine Ausrede und bedeutet: „Interessiert mich nicht. Will ich nicht.“ Denn für jeden hat der Tag 24 Stunden und die Woche 7 Tage. Was man mit dieser Zeit macht, ist also nur Prioritätensetzung.

Viele dieser Menschen, die vorgeben, keine Zeit für Yoga zu haben, sehen unglücklich und gestresst aus, oft auch bereits krank. Gerade sie würden von einem Praxisweg, der hilft, Stress zu reduzieren und die Gesundheit zu verbessern und der zu dem Glück führt, das unser wahres, innerstes Wesen ist, am meisten profitieren. Aber genau die Menschen sind am wenigsten zu erreichen. Sie leiden lieber weiter in ihren eingefahrenen Mustern und verbringen viel Zeit in Arztpraxen, um die Symptome ihrer Krankheiten zu lindern als etwas zu tun, was Ihnen guttun würde.

Jede Seele entwickelt sich in ihrem Tempo

Auch wenn ich gerne die Welt retten würde, habe ich gelernt zu akzeptieren, dass jeder den Weg in seinem eigenen Tempo gehen muss. Viele Menschen müssen und wollen sich erst im Samsara verstricken und verirren und zahlreiche leidvolle Erfahrungen machen, bevor sie an den Punkt kommen, wo es ihnen reicht. Wo sie innehalten und beschließen, einen anderen Weg einzuschlagen. Und es dauert wohl viele Leben, bis eine Seele so weit ist. Aber irgendwann gelangen alle ans Ziel.

Umkehr und Neuorientierung in der Krise

Doch nicht nur, wenn es um eine Umkehr und Neuorientierung im spirituellen Sinn geht, sondern durchaus auch bei ganz irdischen Dingen wie das körperliche, geistige, psychische und soziale Wohlbefinden, fangen viele Menschen erst an, über ihre Lebensweise nachzudenken, wenn eine schwere Krankheit sie trifft. Manchen Menschen gelingt es dann, diese gesundheitliche Krise zu nutzen, um ihrem Leben eine Wende zu geben. Und das bedeutet meistens, sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen, statt ständig gegen die eigene Natur zu leben. Und dazu kann Yoga einen wichtigen Beitrag leisten.

Yoga als wichtige Heilmethode

Einerseits macht es mich traurig zu sehen, wie viele Menschen unnötig leiden und den Reichtum des Yoga verkennen und nicht zu schätzen wissen. Andrerseits bin ich immer wieder überrascht, wenn ich in Weiterbildungen und Fachliteratur anderer Disziplinen darauf hingewiesen werde, bei wie vielen Problemen Yoga hilfreich sein kann, oft mehr als irgendetwas anderes. Ob es nun um Stressmanagement geht, um Schlafstörungen, Asthma, Bluthochdruck, Rückenschmerzen … Yoga ist ein Allrounder, der bei fast allem positive Wirkungen hat.

Eigentlich weiß ich es ja. Aber für mich ist der Yogaweg, den ich seit vielen Jahren gehe, so selbstverständlich, dass der Segen, den ich dadurch erfahre, schon so normal ist, dass ich manchmal vergesse, dass das andere Menschen gar nicht kennen.

Yoga erhöht die Lebensenergie

So fand ich es etwa erheiternd, als die Leiterin der Yoga & Krebs-Ausbildung erzählte, wie ungläubig die Ärzte reagiert hatten, als Studien präsentiert wurden, die belegten, dass Yoga das wirkungsvollste „Mittel“ gegen Fatigue ist: „Was, Yoga, ausgerechnet Yoga?“ Bei einem medizinischen Problem, gegen das kein Medikament etwas ausrichten kann?

Wenn man selbst Yoga praktiziert und weiß, dass man im Yoga die Lebensenergie erhöht und zum Fließen bringt, ist es eigentlich logisch. Aber was wissen die meisten Ärzte, vor allem männliche, schon über Yoga?

Yoga als Hilfe bei posttraumatischen Belastungsstörungen

Vor einigen Monaten las ich im Zusammenhang mit dem Trauma-Seminar meiner Psychobionik-Ausbildung das Buch „Verkörperter Schrecken“ des Traumaforschers Bessel van der Kolk. Ich fand es sehr interessant, dass er Yoga als hilfreicher Methode, um mit posttraumatischen Belastungsstörungen umzugehen, ein ganzes Kapitel widmete.

Traumata entstehen nicht nur durch einzelne schreckliche Ereignisse wie Attentate, Krieg, Folter und Vergewaltigung. Vielmehr hat ein erheblicher Teil der Bevölkerung sogenannte „Entwicklungstraumata“ erlebt, z.B. durch Schläge, häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung, ein von Alkoholismus geprägtes Elternhaus oder den frühen Tod eines Elternteils im Kindesalter.

Außerdem pflanzen sich traumatische Erlebnisse der Vorfahren oft über Generationen fort. In Österreich gibt es praktisch niemanden, der nicht Eltern, Großeltern und Urgroßeltern hat, die in irgendeiner Form durch die beiden Weltkriege oder den Holocaust traumatisiert wurden. Sei es als Opfer oder Täter. Ja, auch Täter werden durch ihre Tat traumatisiert.

Yoga und Psychobionik – ein sich ergänzendes Team

So spielen die beiden Disziplinen, mit denen ich versuche, Menschen auf ihrem Weg zu mehr ganzheitlicher Gesundheit, geistiger Freiheit und Lebensglück zu begleiten – Yoga und Psychobionik – perfekt ineinander.

Yoga fördert die Selbstwahrnehmung, führt zu Entspannung und besserem Schlaf. Durch die Yogapraxis können wir uns besser spüren. Und wir lernen, nicht sofort unbewusst und reflexhaft zu reagieren und dabei alte Muster zu aktivieren, sondern erst innezuhalten und dann aus einer viel größeren Palette an Handlungsmöglichkeiten die auszuwählen, die in der jeweiligen Situation die passendste ist. Je mehr Wahlmöglichkeiten wir haben, auf einen Reiz zu reagieren, desto freier sind wir. Und desto besser sind wir in der Lage, unser Leben so zu gestalten, dass es unserem Lebensplan entspricht und uns glücklich macht.

Und durch Innenweltsurfen können wir die psychischen Muster transformieren, die uns unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern mitgegeben haben und die uns unbewusst immer wieder dieselben Konflikte produzieren und dieselben leidvollen Erfahrungen machen lassen.

So kann die Kombination von Yoga und Psychobionik – vor allem in Krisensituationen, in denen unser Leben aus dem Lot zu geraten scheint – unserem Leben eine Wende hin zu mehr Selbstverantwortung, Gesundheit, Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit und Lebenssinn geben.

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