Auf der eigenen Bühne stehen

Ja zum Leben 750

Seit mehr als einem Jahr beschäftige ich mich nun mit dem Thema Ganzheitliche Krebsvorsorge und -heilung. In dieser Zeit habe ich alles verschlungen, was mir zu diesem Thema untergekommen ist, aus ganz verschiedenen Quellen, von Artikeln in (Ärzte)zeitungen über dicke Bücher von Krebsforschern bis zu einer Selbstheilungskonferenz mit Interviews mit Menschen, die eine Krebserkrankung überwunden haben und daran gewachsen sind. Ich bin noch weit davon entfernt, das Thema erschöpfend beackert zu haben – wahrscheinlich habe ich das nie –, aber ein paar rote Fäden ziehen sich doch durch.

Eine Brustkrebsbetroffene gebrauchte in einem Interview, das ich unlängst hörte, die Formulierung, es ginge vor allem darum, „auf der eigenen Bühne zu stehen“. Dieses Bild gefällt mir deshalb besonders gut, weil es auch beinhaltet, dass wir hier alle in dieser Welt nur ein Theaterstück spielen, eine Rolle, wir selbst, die Schauspieler, in Wirklichkeit aber jemand ganz anderer sind. Doch das sei nur am Rande erwähnt, denn das, was sie vor allem ausdrücken wollte und was auch von vielen ganzheitlichen Krebsforschern und Überlebenden immer wieder betont wird, ist die Wichtigkeit, authentisch sein eigenes selbstbestimmtes Leben zu leben, den eigenen Weg zu gehen, nach den eigenen Normen zu leben und die eigenen Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Das klingt einfach und selbstverständlich, für die meisten Menschen ist es das aber nicht. Und viele sind sich der Fremdbestimmtheit ihres Lebens gar nicht bewusst. Da gibt es angebliche Pflichten und „Sachzwänge“, man muss doch …, ich kann doch nicht …, ich würde doch eh gerne, aber …

Wir lernen schon in der Kindheit, dass andere besser wissen, was für uns gut ist und was wir brauchen und dass man am besten durchs Leben kommt, wenn man sich anpasst, denn dann ernten wir Lob, Anerkennung und Zuneigung. „Er macht, was er will!“, ist selten als Lob gemeint. Brave Kinder tun nicht, was sie selber wollen, sondern das, was andere von ihnen erwarten. Und oft wird das so verinnerlicht, dass Erwachsene die Bedürfnisse anderer besser wahrnehmen können als ihre eigenen.

Und dann ist das gar nicht so einfach, die Frage zu beantworten: „Was ist denn mein eigener Weg? Wo ist meine eigene Bühne? Wie finde ich das, was wirklich meine ureigenste Berufung ist?“ Und diese Frage kann auch nur jeder für sich selbst beantworten, denn die Antwort lautet für jeden anders. Es hat mich schon immer fasziniert, bei Klassen- oder Jahrgangstreffen zu erfahren, wie unterschiedliche Wege Menschen einschlagen, die alle einmal dieselbe Schulklasse besucht oder dasselbe Studium absolviert haben.

In der Astrologie werden Normen, Regeln und Strukturen durch Saturn symbolisiert. Und bereits in meiner Astrologieausbildung lernte ich, wie wichtig es ist, die Frequenz des Saturn zu erhöhen, weil unsere gesamte Persönlichkeitsentwicklung davon abhängt. Ist er gehemmt, drängen uns andere ihre Normen und Regeln auf, in der Kompensation lehnen wir uns dagegen auf, auf der erwachsenen Ebene haben wir unsere eigenen Normen entwickelt. Wir sind dann nicht mehr davon abhängig, was andere über uns denken, was „man“ tut oder nicht tut. Wir haben kein schlechtes Gewissen, wenn wir den Ansprüchen anderer nicht gerecht werden oder jemanden verärgern, weil wir das tun, was wir selbst für richtig halten oder auf unsere eigenen Bedürfnisse achten. Wir erlauben uns, selbstständig zu denken anstatt einfach nachzuplappern, was Medien, Freunde, Verwandte, Kollegen, Lehrer, Vorgesetzte oder andere Autoritäten uns vorkauen. Wir trauen uns, „nein“ zu sagen und uns anders zu verhalten als man es von uns erwartet und dem zu folgen, was uns innerlich ruft, auch wenn es nach „objektiven“ Kriterien völlig verrückt erscheint, wenn wir auf Unverständnis und Widerstand stoßen oder andere versuchen, Druck auszuüben.

Auch Menschen, die von der Diagnose Krebs getroffen werden, stehen vor der Entscheidung, ob sie den vom System normierten üblichen Weg gehen oder die Verantwortung für ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen und ihren ganz persönlichen, eigenen Weg suchen. Und auch in diesem Fall gilt: Was der eigene Weg ist, kann für verschiedene Menschen völlig unterschiedlich aussehen. Wo es uns hinzieht, was wir glauben, worauf wir vertrauen, spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle. Es ist immer sinnvoll, die Behandlung auszuwählen, von der wir glauben, dass sie uns hilft. Allerdings ist es auch sinnvoll, sich vor dieser Entscheidung umfassend zu informieren, was unter dem großen Zeitdruck, unter dem sich Menschen, die so eine Diagnose bekommen, meistens fühlen, alles andere als einfach ist, wenn sie sich nicht schon vorher mit der Thematik auseinandergesetzt haben.

Wenn wir neben der Spur fahren, ein Leben leben, das uns eigentlich nicht entspricht, gibt uns das Leben immer Signale, die uns auffordern, etwas zu ändern, zu korrigieren. Eine Krebserkrankung entsteht nicht von heute auf morgen. Oft sind davor schon viele andere Signale nicht beachtet worden: Lustlosigkeit, Müdigkeit, Fehlleistungen, Unfälle, Depressionen usw.

Vielleicht wissen wir sogar, dass wir etwas ändern sollten, aber nicht wie. Oder die Macht der Gewohnheit ist stärker. Schließlich haben wir unsere krankmachenden Denk- und Handlungsmuster ja schon jahrzehntelang eingeübt. Es kann aber sein, dass wir uns dessen nicht bewusst sind, weil wir gar nicht dazu kommen, uns darüber Gedanken zu machen, welche Träume noch ungelebt sind, was das Universum gerade durch uns manifestieren möchte. Dann kann eine Diagnose wie Krebs bzw. eine Behandlung, die es nicht mehr ermöglicht, weiterzumachen wie bisher, eine große Chance sein, endlich einmal inne zu halten und sich auf das Wesentlich zu besinnen, auf das, was uns wirklich wichtig ist. Denn gerade angesichts des Todes verändern sich oft die Prioritäten. Und gar nicht so selten sagen Menschen, die durch eine Krebserkrankung eine Wende in ihrem Leben vollzogen haben und nicht nur gesundgeworden sind, sondern auch glücklicher als vorher, der Krebs sei das Beste gewesen, was ihnen passieren konnte.

Aber es muss nicht unbedingt so weit kommen. Natürlich ist es viel besser, sich schon vorher immer wieder zu fragen, ob das Leben, das man führt, tatsächlich das ist, das man führen will. Ob es Wünsche und Träume gibt, die noch auf ihre Verwirklichung warten. Ob man seine wahre Berufung – die sich im Laufe des Lebens auch immer wieder ändern kann – schon gefunden hat. Meine Erfahrung ist, dass wir die Antwort auf diese Fragen immer in uns selber haben. Und finden können, wenn wir tief in uns hineinhorchen. Was ist mir wichtig? Wie möchte ich sein? Was wollte ich immer schon tun, wo, mit wem? Was kann ich gut? Was macht mir Spaß?

Regelmäßige Auszeiten, Zeiten der Stille, des Innehaltens, der Meditation, aber auch Alleinsein in der Natur können helfen, diese Fragen in unser Herz sinken zu lassen und die Antwort unserer Seele zu vernehmen. Und dann: Immer wieder in möglichst lebendigen Farben und Tönen und in allen Details Bilder und Gefühle aufsteigen lassen, wie es ist, wenn wir unser eigenes Leben leben, auf unserer eigenen Bühne stehen.

3 Gedanken zu “Auf der eigenen Bühne stehen”

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